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16 Dezember 2025 | 5 min

Globale Schadensbilanz 2025: Die strategische Bedeutung von GRC angesichts steigender Naturgefahren

Die jüngste Veröffentlichung der Swiss Re zu den versicherten Schäden im ersten Halbjahr 2025 sendet ein klares Warnsignal an die Weltwirtschaft. Mit signifikanten Verlusten durch Waldbrände und schwere Gewitterstürme (Severe Convective Storms) zeigt sich erneut, dass sogenannte sekundäre Naturgefahren in ihrer finanziellen und operativen Auswirkung nicht mehr sekundär sind. Für Unternehmen bedeutet dies, dass das blosse Vertrauen auf Versicherungspolicen nicht mehr ausreicht. Vielmehr rückt eine integrierte Strategie aus Governance, Risk und Compliance (GRC) in den Fokus, um die Resilienz der Organisation zu sichern.

  • Die erste Jahreshälfte 2025 verzeichnete laut Swiss Re massive versicherte Schäden, getrieben durch Waldbrände und Gewitterstürme.
  • Sogenannte sekundäre Gefahren übersteigen in ihrer Frequenz und Schadenshöhe zunehmend die klassischen Hauptgefahren wie Erdbeben oder Hurrikane.
  • Für Unternehmen steigen die Versicherungskosten, während gleichzeitig Deckungslücken (Protection Gaps) entstehen koennen.
  • Ein robustes GRC-Framework ist essenziell, um physische Klimarisiken in die Unternehmenssteuerung und das Berichtswesen (z. B. CSRD) zu integrieren.
  • Business Continuity Management (BCM) muss an die neue Realität volatiler Wetterereignisse angepasst werden.

Analyse: Von der Schadensbilanz zur GRC-Strategie

Die Daten der Swiss Re verdeutlichen einen Trend, der sich bereits in den Vorjahren abzeichnete und 2025 eine neue Intensität erreicht hat. Die Zunahme von extremen Wetterereignissen ist nicht mehr als statistischer Ausreisser zu werten, sondern als neue Normalität, die durch den Klimawandel befeuert wird. Aus Sicht von Governance, Risk und Compliance ergeben sich daraus konkrete Handlungsfelder, die weit über das reine Versicherungsmanagement hinausgehen.

Governance: Die Verantwortung des Managements

In der Governance-Dimension verschiebt sich die Verantwortung für Naturgefahren direkt in die Vorstandsetagen und Aufsichtsräte. Es genügt nicht mehr, Klimarisiken lediglich zur Kenntnis zu nehmen. Die Sorgfaltspflichten der Unternehmensführung verlangen eine aktive Auseinandersetzung mit der Frage, wie diese externen Schocks das Geschäftsmodell langfristig gefährden.

Eine effektive Governance muss sicherstellen, dass physische Klimarisiken fester Bestandteil der strategischen Planung sind. Wenn Standorte durch Waldbrände bedroht sind oder Lieferketten durch Unwetter abreissen, ist dies kein reines „Wetter-Pech“, sondern ein vorhersehbares Szenario, auf das die Unternehmensführung vorbereitet sein muss. Governance bedeutet hier, Ressourcen für Prävention freizugeben und die Risikostrategie an den Daten von Rückversicherern wie der Swiss Re auszurichten.

Risk Management: Neubewertung der Risikolandschaft

Das Risikomanagement steht vor der Aufgabe, die Granularität seiner Analysen zu erhöhen. Die Berichte der Swiss Re zeigen, dass Gewitter und Hagel lokal sehr begrenzte, aber finanziell verheerende Schäden anrichten. Traditionelle Risikomodelle, die oft auf historischen Durchschnittswerten basieren, greifen hier zu kurz.

Risikomanager müssen Szenarioanalysen durchführen, die spezifisch die sogenannten „Secondary Perils“ berücksichtigen. Dies umfasst nicht nur den direkten Sachschaden an eigenen Gebäuden oder Anlagen. Viel kritischer sind oft die indirekten Folgen: Betriebsunterbrechungen, Ausfall kritischer Infrastruktur (Strom, Wasser, Datenleitungen) und Unterbrechungen in der Zuliefererkette. Ein modernes Risikomanagement muss diese Abhängigkeiten kartieren und quantifizieren. Zudem müssen Unternehmen prüfen, ob ihre Versicherungspolicen noch adäquat sind oder ob durch Prämienerhöhungen und Ausschlussklauseln ein wirtschaftliches Risiko entsteht, das in der Bilanz Rückstellungen erfordert.

Compliance: Regulatorischer Druck und Reporting

Die Relevanz der Swiss Re Daten zeigt sich auch in der Compliance, insbesondere im Kontext der Nachhaltigkeitsberichterstattung. Vorschriften wie die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) in der EU verpflichten Unternehmen dazu, die finanziellen Auswirkungen von Klimarisiken offenzulegen.

Wenn ein Unternehmen in Regionen operiert, die laut Swiss Re Bericht besonders betroffen sind (z. B. waldbrandgefährdete Gebiete in Nordamerika oder Südeuropa), muss dies im Reporting reflektiert werden. Compliance-Abteilungen müssen sicherstellen, dass die im Risikomanagement identifizierten physischen Risiken korrekt in die nicht-finanzielle und finanzielle Berichterstattung einfliessen. Ein Ignorieren dieser Datenlage kann als Greenwashing oder als irreführende Kapitalmarktkommunikation ausgelegt werden, was erhebliche Haftungsrisiken nach sich zieht.

Business Continuity als operative Antwort

Die Schnittstelle von Risk und Operations ist das Business Continuity Management (BCM). Die hohe Frequenz von Gewittern und Feuern erfordert agilere BCM-Pläne. Starre Notfallhandbücher helfen wenig gegen dynamische Wetterlagen. Gefordert sind flexible Reaktionsmechanismen, redundante Lieferantenstrukturen und dezentrale Lagerhaltungen, um Ausfälle abzufedern. Die Erkenntnisse aus dem ersten Halbjahr 2025 sollten direkt in die BCM-Tests und -Simulationen einfliessen, um die operative Resilienz zu härten.

FAQ

Was versteht man unter „Secondary Perils“ im Gegensatz zu Hauptgefahren?

Hauptgefahren (Primary Perils) sind grossflächige Ereignisse wie tropische Wirbelstürme oder Erdbeben. Sekundäre Gefahren (Secondary Perils) sind Ereignisse, die oft häufiger auftreten, aber lokal begrenzter sind, wie schwere Gewitter, Hagel, Tornados, Dürren oder Waldbrände.

Warum ist dieser Bericht für Unternehmen relevant, die keine Versicherer sind?

Die Daten zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit für Betriebsunterbrechungen und Sachschäden global steigt. Unternehmen müssen ihre Risikovorsorge anpassen, da Versicherungen teurer werden oder bestimmte Risiken gar nicht mehr decken. Zudem fordern Regulatoren Transparenz über diese Risiken.

Welche Rolle spielt die CSRD in diesem Kontext?

Die CSRD fordert von betroffenen Unternehmen eine Doppelte Wesentlichkeitsanalyse. Dabei müssen auch die finanziellen Risiken, die durch den Klimawandel auf das Unternehmen einwirken (Outside-In-Perspektive), bewertet und berichtet werden. Die Zunahme von Naturkatastrophen ist hierbei ein zentraler Faktor.

Wie kann GRC helfen, Versicherungskosten zu senken?

Ein starkes GRC-System demonstriert gegenüber Versicherern, dass das Unternehmen seine Risiken kennt und aktiv mindert (z. B. durch präventiven Brandschutz oder redundante Systeme). Dies kann die Verhandlungsposition bei der Erneuerung von Versicherungspolicen verbessern

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